"Carsharing überbrückt Auslastungsspitzen"
Interview mit der Caritas Vordere Ortenau: Carsharing für Unternehmen
Die Caritas Vordere Ortenau ergänzt ihren Fuhrpark mit den Carsharing-Angeboten von EinfachMobil. In Oberkirch nimmt sie damit eine sogenannte "Ankernutzerrolle" ein. Ankernutzer sind Unternehmen, die ihren Fuhrpark mit Carsharing-Fahrzeugen ergänzen oder ersetzen. Sie ermöglichen eine verlässliche betriebliche Grundnutzung der Fahrzeuge. Alicia Fischer, Netzwerkmanagerin beim Mobilitätsnetzwerk Ortenau, hat den Vorstandsvorsitzenden Robert Sauer gefragt, wieso die Caritas auf Carsharing setzt.
Herr Sauer, die erste Frage ist recht allgemein: Nutzen Sie das Carsharing so, dass Sie dafür eigene Fuhrparkfahrzeuge abgeschafft haben, oder eher als Ergänzung?
Das ist eine Ergänzung. Der Fuhrpark wächst kontinuierlich, und es gibt immer wieder den Punkt, an dem es nicht wirtschaftlich ist, sofort ein neues Auto zu kaufen. In diesen Phasen kommt Carsharing für uns ins Spiel – insbesondere dadurch, dass wir an so vielen Standorten unterwegs sind. Es kann sein, dass wir insgesamt genügend Autos haben, aber gerade in Oberkirch eines fehlt.
Daher haben wir die Vereinbarung, dass die Mitarbeitenden zunächst immer den eigenen Fuhrpark nutzen und bei darüber hinausgehendem Bedarf auf Carsharing zurückgreifen. Die Prämisse ist also, dass der eigene Fuhrpark Vorrang hat, darüber hinaus kann aber jederzeit und aus jedem Anlass Carsharing genutzt werden.
"Carsharing ist für uns teurer als ein eigenes Fahrzeug, aber günstiger als eine Neuanschaffung in Übergangsphasen, in denen die Auslastung noch nicht ausreicht."
Wäre langfristig auch ein Ersatz von Fahrzeugen durch Carsharing denkbar oder ist es momentan eher als dauerhafte Ergänzung gedacht?
Letztlich ist das auch eine wirtschaftliche Frage. Wenn ein vollständiger Umstieg wirtschaftliche Vorteile brächte, spräche nichts dagegen. Nach unserer aktuellen Einschätzung ist das jedoch noch nicht der Fall. Carsharing ist für uns teurer als ein eigenes Fahrzeug, aber günstiger als eine Neuanschaffung in Übergangsphasen, in denen die Auslastung noch nicht ausreicht. In diesen Phasen ist Carsharing die attraktivere Option – bis irgendwann der Punkt kommt, an dem ein weiteres Fahrzeug wirtschaftlich sinnvoller ist.
Gibt es dabei einen Schwellenwert, ab dem Sie das ablesen können? Wird er etwa an der Anzahl der Fahrten pro Woche festgemacht?
Wir haben ein Auslastungsmanagement. Das heißt, wir überprüfen regelmäßig, wie stark unser Fuhrpark ausgelastet ist, und es gibt eine kritische Schwelle, ab der wir sagen: Ab jetzt macht es Sinn, über ein weiteres Fahrzeug nachzudenken.
"Für einfache PKW-Fahrten sind Carsharing-Fahrzeuge bestens geeignet."
Die Caritas ist ja nicht nur in Oberkirch aktiv, sondern auch in Kehl, Achern und Offenburg. Nutzen Ihre Mitarbeitenden die Fahrzeuge standortübergreifend – und wohin fährt ein Fahrzeug, das in Oberkirch genutzt wird, typischerweise?
Es fährt höchstwahrscheinlich zu einem Klienten im Umkreis von Oberkirch. Wir haben verschiedene aufsuchende Dienste, in denen unsere Mitarbeitenden die Klienten zu Hause aufsuchen – das ist die Hauptnutzung für unsere Dienstwege in diesem Bereich. Daneben gibt es Spezialfahrzeuge in der Altenhilfe oder für die Tafel, für die klassische Carsharing-Fahrzeuge nicht geeignet sind. Für einfache PKW-Fahrten sind sie jedoch bestens geeignet. Fahrten von Oberkirch nach Kehl kommen natürlich vor, sind aber eher die Ausnahme. In der Regel werden Klienten in einem Umfeld von 10 bis 30 Kilometern um Oberkirch angefahren. Das Verwaltungspersonal nutzt die Fahrzeuge eigentlich gar nicht.
Wie ist das Unternehmen angemeldet? Gibt es ein gemeinsames Konto, über das alle buchen, oder hat jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ein eigenes Konto?
Wir haben ein Firmenkonto. Jede Person, die fährt, muss einmal jährlich sowie anlassbezogen eine Führerscheinkontrolle durchführen – sowohl für Carsharing als auch für den Fuhrpark. Manche buchen über das Smartphone, andere über den Webbrowser. Wir haben zwei Zugänge und entsprechend zwei Karten an vier Standorten. Zum berechtigten Personenkreis gehören ungefähr 50 Mitarbeitende. Da das Angebot bisher noch nicht so stark genutzt wird, wie es möglich wäre, kam es bislang zu keinen Engpässen.
Wie wurden die Mitarbeitenden mit dem System vertraut gemacht? Gab es Schulungen?
Meine Assistentin hat eine Testfahrt gemacht und daraufhin eine so verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitung erstellt, dass man nichts falsch machen kann. Diese steht an allen Standorten sowohl digital als auch in Papierform zur Verfügung. Darüber hinaus haben die zuständigen Fachbereichsleitungen ihre Mitarbeitenden persönlich eingeführt.
Für manche war das gar nicht notwendig, weil sie Carsharing bereits aus dem Privaten kannten – beispielsweise als Privatkunde bei naturenergie. Eine Mitarbeiterin hier in Achern war bereits bei naturenergie angemeldet, und durch sie kam letztlich der Wechsel vom vorherigen Anbieter zu naturenergie sharing zustande.
"Auf Mitarbeiterseite ist es manchmal nicht ganz einfach, alle zu gewinnen."
Wie wurde das Angebot angenommen – sowohl von der Fachbereichsleitung als auch von den Mitarbeitenden?
In Oberkirch haben wir eine sehr rege Nutzung. An den anderen Standorten – Achern, Kehl, Offenburg – wäre eine Nutzung theoretisch ebenfalls möglich, wird aber bisher kaum in Anspruch genommen. In Achern hatten wir Carsharing bereits vorher bei einem anderen Anbieter. Dort gestalteten sich Einzelmitgliedschaften zunehmend kompliziert – bei 50 Mitarbeitenden und einer gewissen Fluktuation wäre das nicht handhabbar gewesen. Deshalb haben wir damals gewechselt. Aktuell besteht in Achern kein großer Bedarf, da der Fuhrpark dort ausreicht. Sollte der Bedarf jedoch steigen, wird Carsharing dort wieder stärker genutzt werden. Auf Mitarbeiterseite ist es manchmal nicht ganz einfach, alle zu gewinnen: Man muss ein paar Schritte laufen, und es ist ein fremdes Auto.
In Oberkirch ist das überhaupt kein Thema – das Fahrzeug steht direkt ums Eck, und die Mitarbeiterinnen – es sind tatsächlich alles Frauen – finden das toll: „Ich kann auch mal ein anderes Auto fahren, mal ein E-Auto, mal einen MG, den ich privat nicht hätte." Was in Offenburg als Nachteil wahrgenommen wird – das unbekannte Fahrzeug –, ist in Oberkirch gerade das Attraktive.
In Offenburg hatte ich eigentlich die größte Nutzung erwartet: Wir haben dort relativ viele Mitarbeitende, die Parksituation für private Autos ist schwierig, viele kommen mit Fahrrad oder ÖPNV und haben kein eigenes Fahrzeug vor Ort, die Dienstwagen sind begrenzt, und die Carsharing-Fahrzeuge stehen etwa 150 Meter von der Geschäftsstelle entfernt. Diese Distanz ist überbrückbar – aber wer nicht möchte, tut sich damit offenbar noch schwer.
"Wir nutzen Carsharing nicht als dauerhaften Ersatz, sondern in Übergangsphasen."
Spannend. Vielleicht ändert sich das noch, wenn eine oder zwei Personen dort anfangen, die das anders sehen – manchmal ist so etwas ansteckend.
Das wird schon noch kommen, aber im Moment tut sich da noch nichts.
Zusammenfassend könnte man sagen: Was am Angebot gefällt oder nicht gefällt, ist subjektiv. Ich hatte mich gefragt, ob es intern Widerstände gab – vermutlich wenige, weil es keinen Zwang von oben gibt, sondern ein reines Angebot ist. Der größte „Protest" ist wohl schlicht die Nichtnutzung?
Genau. Die Erwartung war, dass wir einen weiteren Dienstwagen anschaffen, weil die subjektive Wahrnehmung war, es gebe zu wenige. Das haben wir jedoch nicht getan, weil es sich noch nicht rentiert, und haben stattdessen auf Carsharing als Alternative hingewiesen.
Wir hatten im Vorfeld mögliche Hauptantriebspunkte für die Einführung von Carsharing in Unternehmen überlegt: Nachhaltigkeit – ein Fahrzeug weniger, kein Stellplatz, keine Wartungskosten –, Kosteneinsparung und Praktikabilität.
Wir nutzen Carsharing ja nicht als dauerhaften Ersatz, sondern in Übergangsphasen. Es geht also weniger um Einsparung als um Effizienzsteigerung in Phasen, in denen die Auslastung noch keine Neuanschaffung rechtfertigt. Carsharing überbrückt diese Lücke.
"Für einen vollständigen Umstieg auf Carsharing wären die räumliche Nähe zu den Fahrzeugen und die Kosten entscheidend."
Was müsste passieren, damit Carsharing dauerhaft Fahrzeuge ersetzt? Und sind die Fuhrparkfahrzeuge momentan eher geleast oder gekauft?
Unsere jüngste Anschaffung war ein geleastes E-Auto – überraschenderweise die günstigste Option. Für einen vollständigen Umstieg auf Carsharing wären mehrere Faktoren entscheidend: Erstens müsste die räumliche Nähe zu den Fahrzeugen gewährleistet sein. 100 bis 150 Meter halte ich für überbrückbar, aber bei größeren Entfernungen müsste man die Arbeitszeit gegenrechnen – im Sozialbereich ist alles so knapp kalkuliert, dass das eine Rolle spielt. Zweitens ist die Kostensituation entscheidend. Als Caritasverband erhalten wir bei Herstellern Volumenrabatte von bis zu 30 bis 40 Prozent auf Kauf- oder Leasingpreise, dazu kommen im Einzelfall Förderungen. Damit ist es für uns in der Regel wirtschaftlicher, ein Fahrzeug selbst zu erwerben.
Momentan stellt sich für viele Unternehmen auch die Frage nach steigenden Kraftstoffkosten – inwiefern ist das ein Zusatzargument für Carsharing in der Ortenau, zumal es sich um elektrobasiertes Carsharing handelt? Bei Ihnen spielt das offenbar eine untergeordnete Rolle, da Sie intern bereits auf E-Fahrzeuge setzen.
Genau, wir kaufen, wenn möglich, E-Autos. Einen Verbrenner haben wir zuletzt nur deshalb angeschafft, weil es für das Tafelfahrzeug noch kein geeignetes E-Fahrzeug gab. Ansonsten setzen wir auf Elektro. Eine Herausforderung ist allerdings momentan: Hier in Achern haben wir seit einigen Jahren E-Autos, dürfen aber noch keine eigene Ladestation errichten. Dann hängt es davon ab, ob die öffentliche Ladesäule frei ist oder nicht. Ich würde noch viel enthusiastischer auf E-Fahrzeuge umsteigen, wenn diese Probleme nicht wären.
"Carsharing lohnt sich für Unternehmen, die nicht den ganzen Tag unterwegs sind."
Was das Carsharing betrifft, nimmt die Caritas im Bereich Oberkirch eine sogenannte Ankernutzerrolle ein. Unternehmen im vergleichsweise ländlichen Raum der Ortenau – außerhalb der Großen Kreisstädte – tragen dazu bei, dass Carsharing auch für die Privatbevölkerung bestehen bleibt. Eine verlässliche betriebliche Grundnutzung schafft die wirtschaftliche Basis, sodass die darüber hinausgehende Nutzung durch die Bürgerschaft ausreicht, um das Angebot für den Anbieter rentabel zu machen. War Ihnen das als Unternehmen bewusst?
Nein, das war mir nicht bewusst.
Es gibt bisher noch nicht viele Unternehmen, die das in der Ortenau so handhaben – daher auch die Vorreiterrolle, die Sie hier einnehmen. Zum Abschluss noch zwei Fragen: Für welche Unternehmen würden Sie Carsharing empfehlen, und welche Voraussetzungen sollten gegeben sein?
Ich würde sagen: für Unternehmen, die nicht den ganzen Tag unterwegs sind, sondern vielleicht einmal täglich oder weniger als fünf Termine pro Woche haben. Für diese lohnt es sich, die laufenden Kosten eines eigenen Fahrzeugs einzusparen. Am Ende ist das ein betriebswirtschaftliches Thema: Wie viele Stunden werden intern für Pflege, Wartungsterminbuchung, Reinigung und Betreuung aufgewendet? Wer das Fahrzeug nur einmal am Tag oder seltener nutzt und es den Rest der Zeit stehen lässt, für den ist Carsharing sicher die bessere Option.
Und als letzte Frage: Was würden Sie anderen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern raten, die Carsharing in ihren Fahrzeugpool integrieren möchten?
Einfach ausprobieren. Es ist eine unkomplizierte Sache, die absolut Sinn ergibt, wenn man – wie wir es versucht haben einzugrenzen – einen passenden Anwendungsfall hat. Dann wäre man schlecht beraten, es nicht zu tun. Es ist unkompliziert, man kann Geld sparen, einen ökologischen Beitrag leisten und, wer neugierig ist, neue Fahrzeuge kennenlernen. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen – man muss es einfach angehen. Wichtig ist dann, die Mitarbeitenden mitzunehmen. Hilfreich sind Personen, die keine Berührungsängste haben oder bereits Vorerfahrungen mitbringen. Unsere Bedienungsanleitung stellen wir übrigens gerne zur Verfügung, falls jemand Interesse hat.
Ein sehr schönes Schlusswort – vielen Dank für Ihre Zeit.